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H. Wolter

Die älteste Urkunde Flötensteins

Dem Wirken des deutschen Ritterordens, der 1232 unter Hermann Balk zum ersten Male bei Thorn an die Weichsel gelangte, verdankt der deutsche Osten den Anstoß zur kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung. Die mit der Verwaltung des Landes in Zusammenhang stehenden Aufzeichnungen jener Zeit, mögen sie als Orginale oder als Abschriften verlorengegangener Urtexte auf uns überkommen sein, sind die ersten geschichtlichen Nachrichten über unsere Heimat. Vorher haben wir uns die Bewohner des Landes als auf ziemlich tiefer Kulturstufe stehend zu denken. Einige Methoden des Ackerbaues konnten dem größtenteils armen Boden des alten Westpreußen nur geringe Erträge entlocken, die aber für die anspruchslose Haushaltung der urpreußischen Bevölkerung genügten.

Die um die Zeit des Einzuges der Deutschritter bestehenden Siedlungen erfuhren die belebende Organisation deutscher Art. Die Einwohner unterstanden meistens zinspflichtig dem Orden, der ihnen Schutz und Verwaltung angedeihen ließ und Ortschaften und Städte mit besondern Rechten ausstattete. Verdienten Leuten wurde Land durch die Komture oder durch den Ordenshochmeister teils als Eigentum, teils zum Zwecke der Besiedlung überwiesen. So entstanden die Zinsdörfer und Lehngüter.

"Handfesten" hießen die urkundlichen Aufzeichnungen und Beschreibungen, in denen die Rechte und Pflichten beider Parteien festgelegt waren.

Sie wurden zur Zeit des Hochmeisters Konrad von Jungingen (1393-1407) zu Handfestenbüchern zusammengestellt. Das Handfestenbuch der Ordenskomturei Schlochau befindet sich im Staatsarchiv zu Danzig. Die darin enthaltenen Urkunden sind längst nicht alle in der Urschrift vorhanden, sondern stellen größtenteils Abschriften, wohl auch vereinzelt nachträgliche Uebersetzungen ins derzeitige Deutsch aus den lateinischen Urtexten dar. Sei es, daß die Originale Bränden zum Opfer fielen oder aus anderen Gründen verborgen geblieben sind. Es ist ein Verdienst des Professers Eduard Panske in den "Quellen und Darstellungen zur Geschichte Westpreußens", die vom westpreußischen Geschichtsverein (in Band 10) herausgegeben sind, die Handfesten der Komturei Schlochau gesammelt und so einem weiteren Kreise zugänlich gemacht zu haben. Dort findet sich auch die Handfeste Flötensteins. Sie ist gegeben am 30. November 1356 von Alexander Stange, Dorfherrn zu Flötenstein. Damals war Heinrich von Thaba (1354-1370) unter Hochmeister Winrich von Kniprode (1351-1382) Komtur von Schlochau.

Sie folgt hier in der älteren vorhandenen Form mit nachfolgender Erläuterung.

In gotis namen Amen. Wissentlich sie alle den, die desin briff sehen adir lesin horen, das ich Allexander Stange williclich und mit rate mynes herren, her Heynrichs von Thaba kompthurs zcu Slochow, und mynes brudirs, her Pauls Stangen, deme wysen manne und erbarn, Hermanne mynem schultheysen zcum Vlisensteyne, gebe und vorlye LX huben in Culmischem rechte, und sinen rechten erben und nachkomelingen, zcu besetzen. Durch der besetzunge wille der-selbe schultheyse, sine rechten erben und nachkomelinge, die zcende hube erbelich und frie sullen besitzen. Ouch gebe ich dem-selben schultheisen, und sinen rechten erben und nachkomelingen, das dritte teil des gerichtes und die helfte der kretzcheme zcinsis, im zcu habinde; und dy zcwey teil des gerichtis, und was von der helfte der kretzcheme gevellit, mir getruwelich pflichtic sie zcu geben. Ouch gebe ich im und sinen erben und rechten nachkomelingen in den seen und vlisenden wassern bynnen den grenitzen des vorgenanten erbis vrie vischerie mit cleynen gezcow zcu der notdorft eris tischis. Ouch hulfe mir got, das eyne mole worde in dem-selbin gute, so sal der dicke-genante schultheis, und sine rechten erben und nachkomelinge<n,> vrie malewerk haben, alzo bescheydelich, ab teylunge des gerichtis wurde, das ich nicht me denne eyme schultheysin vrie pflichtig bin zcu malen. Ouch das icht allir geloubigen cristenen selen von mir vorgessin worde<n>, so gebe ich und vorlye der kirchen, und dem pferrer in dem-selbin gute wonende, boben dy sechzcig huben vyr huben mit alle irem nutze zcu haben. Ouch der-selbe schultheis, und sine rechten erben und nachkomelinge, mit andren den gebueren nun iar vrie sullen sitzen, und dort in dem zcenden iare alle-ierlich zcu dem obirsten tage vort zcukumftig virczen scot zcinsis gewonlicher munzce und zcwey hunner mir sullen geben und eyn tage-dinst sullen thun. Ouch sal der-selbe schultheys, und sine erbin und rechte nachkomelinge, mir thun ein dinst mit eynem pferde, das VI marke wert sie, wie dicke ich in heyse, und wo ich in heyse. Ouch sal der dicke-genante Herman und syne nachkomelinge alle-ierlich von iclicher huben dem erbarn vater in gote dem erczbischofe zcu Gnysin zcwey scot gewonlicher muncze als andir lute desis landis sullen geben. Czu desis dingis gezcugnis henge ich myn ingesigel an desin briff, der gegeben ist zcu Slochow in der iarzcal unsirs herren XIIIc in dem LVI an sendte Andres tage. Des sint gezcug der erbare und begebene man myn herre her Heynrich von Thaba kompthur zcu Slochow, her Paul Stange ein ritter zcu Streczin, und andir erbar lute.

Der alte Name Vlisensteyn deutet auf die Lage an einem fließenden Wasser, dem heutigen Hammerfließ, hin. Diese ursprüngliche sinngemäße Ortsbenennung ist erst in späterer Zeit in Flötenstein umgewandelt worden.

Als erste historische Persönlichkeit des Ortes lernen wir durch die Urkunde den Dorfherren Alexander Stange kennen. Er überträgt dem Schultheiß und seinen Nachkommen 60 kulmische Hufen Land zur Besetzung, d. h. Besiedlung. Ihm lag als Lokator die Pflicht ob, das übergebene Land in einer gewissen Zeit an Ansiedler nach kulmischem Rechte zu vergeben. Dafür sollte der Schultheiß sowie seine rechten Nachkommen jede zehnte Hufe als erbliches Eigentum besitzen. Zur weiteren Nutznießung wird ihm "der dritte Teil des gerichtis und die helfte der kretzcheme zcinsis" übergeben; d. h. den dritten Teil der Einnahmen aus der niederen Gerichtsbarkeit und die Hälfte der Pacht von der Dorfschänke. Die anderen beiden Teile aus Bußen usw. und die zweite Hälfte der Pachtsumme vom Gasthause sollen an den Dorfherren Alexander Stange fallen. Innerhalb der Dorfgrenzen darf der Schultheiß die Fischerei für den eigenen Tisch mit kleinem "gezcow" d. h. Fischereizeug wie Staknetz, Reusen und Angel frei ausüben.

Falls eine "mole" = Mühle gebaut werden sollte, erhält der "dicke-genante" - oft genannte Schultheiß Anspruch auf freies Mahlen und der Dorfherr wird alsdann von seiner bisherigen Pflicht, unentgeltlich für den Schultheiß zu mahlen, entbunden. Der Kirche und dem Pfarrer werden 4 Hufen Land überwiesen. Neun Jahre sollen der Schultheiß, wie die anderen neuangesiedelten Bauern, angabefrei sein. Doch vom zehnten Jahre ab sollen 14 Skot an Geld und zwei Hühner alljährlich als Naturalien geliefert und außerdem von jedem ein Tagedienst geleistet werden. Auch soll der Schultheiß zu einem Dienst mit einem Pferde verpflichtet sein, das mindestens 6 Marke Wert ist, so oft und wohin er auch befohlen werde. Wie alle anderen Leute des Landes soll auch der Schultheiß an den Erzbischof zu Gnesen von jeder Hufe 2 Skot jährlich zahlen. Zur Beglaubigung wird das Siegel an den "briff" = Urkunde gehängt, die im Jahre 1356 am Sankt Andreastage (30. November) gegeben ist.

Es wird versucht werden, durch weitere Nachforschungen die geschichtliche Verbindung zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart Flötensteins herzustellen.

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