| Biblioteka Koczalska - Floetensteiner Bibliothek |
Alois Schütt Flötenstein. Über die Enstehung und Wandlung unseres Ortsnamens Schon mancher Fremde wird den Namen unseres an der Bahnstrecke Schlochau - Rummelsburg gelegenen Dörfchens gehört oder gelesen und denselben sonderbar und eigenartig gefunden haben. Vielleicht auch hat sich mancher bei der Deutung dieses Namens ein ländliches Idyll vorgestellt: Hirten, die auf einem großen Feldstein sitzen und ihren Herden auf Weidenflöten liebliche Weisen vorspielen. Jedoch mit Flöten und Flötentönen hat unser Ortsname nichts zu tun. Der ursprüngliche Name des Ortes war Vlisensteyn oder nach der heutigen Schreibweise Fließenstein. Diesen Namen hat unser Dorf nach einem Fließ erhalten, das aus dem nördlich des Ortes gelegenen Kleinen Diemensee kommt und seinen Weg an der Westseite des Dorfes durch blumige Wiesentäler nimmt. Als Hammerfließ berührt es in seinem späteren Laufe die Orte Hammer, Hammermühle, Pflastermühl, Eisenhammer und mündet dann in die Brahe. Die Endsilbe "stein" weist wohl auf die vielen kleinen Steine hin, die sowohl das Bett des Fließes als auch die Felder bedecken. Nach anderer Ansicht soll am Fuße des noch heute "Babylon" genannten Hügels in der Nähe des Fließes ein riesiger Stein gelegen haben, der den Anlaß zur Bildung des Namens gegeben haben soll. Zum ersten Male tritt der Name Vlisensteyn in der Handfeste des Deutschen Ritterordens vom 30. November 1356 auf. Nach dieser Urkunde verlieh der Ritter Alexander Stange aus Stretzin im Auftrage des Komturs von Schlochau, Heynrich von Thaba, dem damaligen Schultheißen, dem "weisen und ehrbaren Manne" Hermann, genannt der "dicke Hermann", 60 kulmische Hufen Land; davon waren für die Kirche und den Pfarrer 4 Hufen bestimmt. Außer bestimmten Abgaben an den Ritter Alexander Stange mußte der Schultheiß an den "erbarn vater in got", den Erzbischof in Gnesen jährlich von jeder Hufe zwei "scot" gewöhnliche Münze abliefern. Im Laufe der Jahrhunderte hat dann der Name Vlisensteyn verschiedene Wandlungen erfahren. Unter der polnischen Herrschaft erhielt unser Ort den polnischen Namen Koczala, und heute noch wenden die polnischen Behörden, z. B. Städtische Sparkasse in Konitz, diese Bezeichnung in Ihrem Schriftverkehr an. In der plattdeutschen Bevölkerung jedoch blieb der alte deutsche Name bestehen, wenn auch mit einigen Abänderungen. Auf der Wetterfahne der 1891 niedergebrannten Holzkirche stand zu lesen FLITENSTEIN und die Jahreszahl 1645 in römischen Ziffern. In einem alten, im Jahre 1615 in Venedig gedruckten Meßbuch der Flötensteiner katholischen Kirche ist in einer Eintragung vom Jahre 1716 das Wort "Flettenstein" zu lesen. Etwa 100 Jahre später hat der Lehrer, Organist und Küster Andreas Neumann aus Grabau in demselben Buche, das damals in der dortigen Filialkirche im Gebrauch war - im Jahre 1804 die beiden Schreibarten "Fletenstein", sowie "Flötenstein" angewandt. Die Abänderung des Namens in "Flötenstein" ist sicher nach dem Jahre 1772 durch preußische Beamte erfolgt, die der plattdeutschen Sprache nicht mächtig waren und in dem Namen "Fletenstein" nicht mehr den ursprünglichen Stamm "Fließ" (plattdeutsch Fleit oder Flet) erkannten. Auf diese Weise ist aus dem "Fließ" eine "Flöte" geworden. Neben der Schreibweise "Flötenstein" ist auch "Floetenstein" angewandt worden, so z. B. im Jahre 1785 in einem Aktenstück des "Stadt- und Landgerichts" zu Hammerstein. Auch der bis nach dem ersten Kriege benutzte Amtsstempel des Flötensteiner Standesamts wies die Schreibweise "Floetenstein" auf, während heute allgemein von Behörden, Schulen und Privaten "Flötenstein" geschrieben wird. So ist also unser Ortsname im Laufe der Zeit verschiedentlich geändert worden. Spötter haben dazu noch die Bezeichnung "Piepenstein" erfunden. Hoffen wir, daß in Zukunft keine weiteren Änderungen vorgenommen werden, es sei denn, daß der ursprüngliche sinngemäße Name "Fließenstein" wieder zu Ehren gebracht wird. Anmerkung: Dieser Aufsatz wurde im Jahre 1927 geschrieben und im Schlochauer Kreiskalender veröffentlicht. Heute heißt Flötenstein bei den Polen wieder "Koczala". Möge bald die Zeit kommen, die den alten deutschen Namen wieder zu Ehren bringt, den alten Namen "Flötenstein"! ^do góry ^ |
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