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August Blanke

Starsen

Im Norden des Kreises am Starsener See, von dem die Hälfte schon zu Pommern gehört.

Die Ordensgründung ist jedenfalls durch den Polenkrieg vernichtet worden; denn 1564 wurde "das wüste Dorf neu angelegt und aufgebaut," dabei ihm 40 Hfn. überwiesen, wovon der Schulze Peter Konewka 4 erblich besitzen sollte nebst der Freiheit, im Debersk (Döpersee) und in dem am Dorf gelegenen See mit kleinem Gezeug für sein Haus zu fischen. Auch erhielt er eine Wiese, den dritten Pfennig vom Krug und von den Strafgeldern, außerdem eine zehnjährige Abgabenfreiheit, um danach gleich den andern Schulzen des Bezirks dem Schloß zu dienen. Die Urkunde stellte der Schlochauer Starost Graf Latalski am 6. 7. des gen. Jahres aus, und der König Stephan bestätigte sie 1577.

1631 erhielt der Freimann Peter Konewka vom Starosten Melchior Weiher 2 Hfn. Land im Dorf und die Erlaubnis des freien Fischens zu seiner Notdurft. Dafür sollte er gleich den andern Freimännern der Starostei die Grenze schützen, auf Wälder und Heiden achtgeben, die Schloßobrigkeit benachrichtigen und mit ihr fahren, wenn es die Umstände erforderten. Die Bestätigung durch den König Sigmund erfolgte 1632.

Rund 100 Jahre später setzte der König Aug. II. den Edlen Jak. Modrzewski in das Erbe ein, das dieser von Joh. Miek und Georg Zbrowski überkommen hatte. Es war ein Lehemannsgut, gemeiniglich Lemanstwo genannt, dessen Größe nicht verzeichnet steht. - 1748 legte ein Nachkomme Konewkas den Kommissaren Jablonski und Larzack ein Schreiben des Unterhauptmanns von Schlochau, Peter Bonin Solicki vom Jahre 1632 vor, wonach der damalige Schulze, Paul Konewka, anzeigte daß durch den Tod des Peter Bresinski dessen Bütnerheide dem Hause Schlochau verfallen wäre und er sie gern kaufen möchte. Der Hauptmann gewährte die Bitte, vergaß aber die Schrift zu unterzeichnen. Deshalb rieten die Kommissare dem Besitzer des Briefes, sich um ein Privileg zu bemühen. Die Nachschrift von 1712 gibt die Grenzen der Starsener Bütnerheide an, woraus erhellt daß die Bewohner dazumal viel Bienenzucht betrieben. Die Richtigkeit der Grenzen bescheinigte der Vorstand der Beutnerbruderschaft, als: Peter Goede (Schulze aus Flötenstein) Jak. Büttner (Ratmann daselbst) Mart. Lietz (Ratmann aus Starsen) Mart. Sich (Gerichtsmann) und Mart. Arndt (Schöppe). - 1768 verlieh der König Stanisl. Aug. dem Edlen Rekowski 1 Hfe. im Dorf zu eigentümlichen Rechten nebst dem Grund, Ostrow benannt, den der Starost Latalski 1599 dem Jak. Konewka gegeben hatte.

Den wüsten Dorfkrug übernahm 1746 Mich. Komischke. Die Radziwillsche Urkunde darüber betont, daß "von alters her" 18 Mgn. Land dazu gehörten. Ueber diese erhielt Komischke noch 6 Mgn., "die der Schulze Steineck zu Land gemacht." Da aber "dieser Acker nichts nütze war," verlieh ihm der Starost noch 15 Mgn. Heideland im Dorfwalde und gegen 60 Gldn. jährlich das Recht zur Bier- und Branntweinbereitung für seinen Betrieb. Auf Komischke folgte (das Jahr ist nicht angegeben) Georg Baumann, in dessen Familie sich das Wirtshaus bis heute erhalten hat. Mit Joh. Baumann, der jährlich 3 Tonnen Bier und 1 Achtel Branntwein fabrizierte, schloß die Regierung 1827 einen Vertrag, wonach er auf die Herstellung der Getränke verzichtete, wogegen ihm die jährliche Abgabe von 10 Tlrn. erlassen wurde.

Das Schulzengut ging nach dem Aussterben der Konewkas von Hand zu Hand. 1772 hieß der Freischulze Franz Nehring, 1845 Wilh. Pahl. Diesem wurde die Verpflichtung zur unentgeltlichen Verwaltung des Schulzenamtes im Hypothekenbuch gelöscht und auf das Lehemannsgut des Mich. Berndt eingetragen. Ehemals war dem Schulzen ein Wald von 4 Hfn. mit sehr gutem Holz eigen. Schulze Semrau gründete darin 1827 einen Hof, den er Schulzenwalde nannte. Das wurde später fiskalisch und eine staatliche Oberförsterei; 1928 nach Starsen eingemeindet.

Durch dieselbe Verordnung ist das Rittergut Engsee mit dem Dorf vereinigt worden. Es liegt unweit des Döpersees. Der Name ist nicht von Seeenge, sondern von Seeende abgeleitet. In der Nähe ein Burgwall. Bis 1830 waren 16 Starsener Bewohner diesem Gut scharwerkspflichtig (Adl. Starsen). Der gegenwärtige Besitzer heißt v. Borcke.

Die Holzkirche mit Turm, Schindeldach und Bretterverschalung ist kath. und Filiale von Flötenstein. Rings der kleine Kirchhof vereinigt die Toten beider Konfessionen. Von den beiden Glocken trägt eine die Inschrift: Divino Auxilio Fudit Me Gerhardo Benning Gedani 1648 (Mit Gottes Hilfe goß mich Gerhard Benning, Danzig). Die andere wurde 1925 gegossen.

Die Schule bestand schon vor 1800. Als erster Schullehrer wird der Dorfschmied Neumann genannt. Ihm folgte der Tischler Rook, diesem der Organist Prill aus Flötenstein, der bereits 10wöchigen Kursus am Seminar zu Graudenz mitmachte. Trotzdem gab er seine Lehrstunden im Schlafrock, auf Holzpantoffeln, mit der Zipfelmütze auf dem Kopf und einer langen Pfeife im Mund. Mitunter spann er auch, oder strickte Strümpfe, und das so 25 Jahre hindurch. Kein Revisor verirrte sich in diese Abgeschiedenheit, die den seminaristisch vorgebildeten Nachfolger Hinz um den Verstand brachte, daß er sich schon im 2. Jahr in dem nahen See ertränkte. Es folgte Balzer. Er gewann das große Los und ließ seine Söhne studieren. Die Schulchr. verzeichnet noch Longear, Krause und Wolframm. Das 1885 aus Fachwerk erbaute Schulhaus ist 1929 in ein schönes, massives Gebäude umgestaltet worden.

Das Dorf besitzt elektrische Beleuchtung und seit 1927 auch Wasserleitung. Es zählt 250 Einw. und hat eine Gemarkung von 1079,38 ha. "Aber der Boden," sagt das Kontr. Katast., "ist sandigt und grandigt, und brennt leicht aus." Früher mußten die Bauern ihr Vieh auf dem Rummelsburger Grund hüten und für jedes Stück 1 Gldn. Weidegeld zahlen.

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