Biblioteka Koczalska - Floetensteiner Bibliothek

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Die Nixe vom Diek in Flötenstein

An der Westseite des Dorfes Flötenstein breitet sich, vom Hammerfließ lieblich durchzogen, ein Wiesenplan. Vor vielen hundert Jahren spielten hier die emsigen Wellen eines Sees, und an seinen anmutigen Ufern spannten Fischer ihre Netze.

In den Morgennebeln und im Abenddämmern sah man zuweilen eine seltsame Gestalt über das Wasser schreiten. Oder sie saß mit aufgelöstem Haar und silberglänzendem Leib auf der Blüte einer Seerose und sang einen segnenden Morgenspruch oder eine Abendweise, zuweilen auch ein schelmisches Lied, manchmal wohl auch ein trauriges. "Horch!" sagten dann die Bauern, die zufällig vorüberkamen, "die Nixe singt ihren Segen in den Abend, damit das Korn wachse und das Vieh gedeihe!" Die Nixe brachte den Menschen Wohlstand und Glück. Die Äcker gaben gute Frucht. Die Scheunen füllten sich und Mensch und Tier blieben verschont von Krankheit und Seuche. Aber es ist schon so, daß die Menschen auch bei vollen Töpfen und in Geborgenheit nicht immer zufrieden sind, und aus der Geruhsamkeit und der Fülle stößt sie eine neue Begierde.

"Was soll uns der See," sagten die Unzufriedenen, "wir wollen ihn ablassen und Wiesen schaffen!" "Hei!" lachte einer, "so wird Wasser zu Milch und Fisch zu Brot!" Da erschrak die Nixe, denn sie fürchtete, ihre stille Wasserwohnung zu verlieren. Deshalb stieg sie aus den Fluten und sprach die Menschen an: "Laßt mir den See!" Und sie sprach so flehend und mit einer so bittenden Gebärde, daß manche schwankend wurden in ihrem Plan.

Einst aber traf sie auf einen Hartgesottenen, der schrie: "Wie sie bittet, die Frau Tautropfen und Wogenschaum, verjagt das Weib!" So wurde der See abgelassen, und allmählich entstanden Wiesen. Nun führte die Nixe in einigen zurückgebliebenen Wasserlöchern ein klägliches Dasein. Sie schwor den Menschen, die sie so bitter gekränkt hatten, Rache, und hie und da ertrank ein Kindlein in den Torflöchern. Lange noch hörte man in warmen, mondhellen Sommernächten, wenn der Wind über die Sumpfgräser strich, das klagende Singen der Nixe im Diek. Dann aber hörte es plötzlich auf, und von der Nixe wurde nie wieder etwas gesehen. Noch heute aber haben die Menschen vor den sumpfigen Stellen im Diek eine gewisse Scheu.

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