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Der Grenzstein bei Gr. Peterkau

Das Gut Gr. Peterkau, das oben in der äußersten Nordostecke unseres Kreises liegt, gehörte früher einmal einer Gräfin. Ihr Name ist heute nicht mehr bekannt. Den größten Teil ihres Lebens hielt sie sich auf ihren Besitzungen im Herzen Deutschlands auf. Nach Gr. Peterkau kam sie nur, wenn ihre Anwesenheit hier dringend erforderlich war. Bei all ihrem Reichtum war die Gräfin aber geizig und hartherzig. Mit aller Gewalt versuchte sie, ihren Besitz immer noch mehr zu vergrößern. Jedes Mittel war ihr dazu recht.

Als sie wieder einmal in Gr. Peterkau weilte, bekam sie wegen eines Grenzackers einen Streit mit der Gemeinde Briesen. Obwohl die habgierige Gräfin wußte, daß der Acker den Briesenern gehörte, ließ sie ihn doch von ihren Knechten umpflügen und bestellen. Um die Einwendungen der rechtmäßigen Eigentümer kümmerte sie sich nicht. Schließlich wußten diese sich keinen anderen Rat mehr, als die Hilfe des Richters anzurufen. Der Richter lud die Gräfin und die Briesener ein, an einem bestimmten Tage an der Grenze des umstrittenen Ackers zu erscheinen. Die Briesener waren auch pünktlich zur festgesetzten Stunde da, doch die Gräfin ließ lange auf sich warten. Gerade wollte der Richter den Acker den Briesenern zusprechen, als sie auf dampfendem Roß über die Felder gesprengt kam. Schon von weitem rief sie mit hämischem Lachen: "Der Acker ist mein!"

Der Richter, der ein gerechter Mann war, schüttelte unwillig sein Haupt. Doch die Gräfin erbot sich, einen heiligen Eid zu leisten, daß das Feld von jeher zu ihrem Gr. Peterkauer Besitz gehört habe. In der linken Hand die Reitpeitsche und die Zügel des Pferdes haltend, hob sie die rechte zu feierlichem Schwur.

Doch kaum hatte sie den Eid geleistet und Gott zum Zeugen angerufen, da wurde ihr vor Habgier hochrotes Gesicht plötzlich leichenblaß. Zügel und Reitpeitsche entglitten ihrer Hand, und die gotteslästerliche Frau sank mit einem dumpfen Wehlaut tot vom Pferde. Im Fallen schlug sie mit der noch zum Schwure erhobenen Rechten auf einen am Grenzrain liegenden Stein, der seit diesem Tage den Abdruck einer schwörenden Hand zeigt. - Der Stein liegt noch heute an derselben Stelle. Er ist unter dem Namen Grenzstein in der ganzen Umgegend bekannt.

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