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Dr. Joachim Spors Geistlicher Rat Franz Spors (1875 - 1937) - Pfarrer von Flötenstein Franz Spors, mein Großonkel, wurde am 15. Mai 1875 als dritter Sohn des Ackerbürgers Martin Spors und seiner Ehefrau Alwine, geborene Ziegenhagen, in Schlochau geboren. Dort besuchte er bis zum 14. Lebensjahr die Stadtschule, um dann auf das Gymnasium in Konitz überzuwechseln. Nach dem Abitur studierte er in Pelplin Theologie, wo er nach dem Abschluss des Studiums am 17. März 1901 von Bischof Augustinus Rosentreter dann auch zum Priester geweiht wurde. Nach etlichen Vikarstellen war Franz Spors ab November 1908 erster Lokalvikar in Stegers, Kreis Schlochau, und ab 4. November 1911 schließlich Pfarrer von Flötenstein. Am 21. Dezember 1931 wurde ihm der Titel eines Geistlichen Rates verliehen. Er starb mit knapp 62 Jahren am 8. Mai 1937 nach einer Magenoperation im St. Antonius-Krankenhaus in Berlin-Karlshorst. Er war also über 25 Jahre lang Pfarrer von Flötenstein gewesen, wo auch sein Bruder Paul, mein Großvatter, als Lehrer tätig war.
Franz Spors im Jahre 1934. Franz Spors hat seine Berufung zum Priester stets sehr ernst genommen. Er hatte schwierige Zeiten durchzustehen: zunächst die Zeit des Ersten Weltkrieges und dann die Zeiten des Umbruchs, der Inflation und der Arbeitslosigkeit. Auch der Nationalsozialismus wurde ein großes Problem. Schon in den Jahren vor der Machtergreifung hatte sich zwischen der katholischen Kirche und der NSDAP ein schroffer Gegensatz entwickelt. Nach der Machtergreifung am 30. Januar 1933 lenkten die Nationalsozialisten aus taktischen Gründen zunächst zwar ein. Sie erweckten den Eindruck, ein gutes Verhältnis zu den christlichen Kirchen anstreben zu wollen und am 20. Juli 1933 kam es sogar zum Abschluss eines Reichskonkordats mit dem Vatikan. Hitler ließ sich durch dieses Konkordat jedoch keineswegs von seiner Absicht abbringen, das Christentum in Deutschland "mit Stumpf und Stiel" auszurotten. Wörtlich erklärte er in engstem Kreise: "Eine deutsche Kirche, ein deutsches Christentum ist Krampf. Man ist entweder Christ oder Deutscher. Beides kann man nicht sein." Zu einem Höhepunkt bei den Auseinandersetzungen mit der katholischen Kirche in Deutschland kam es dann im Zusammenhang mit der Veröffentlichung der Enzyklika des Papstes Pius XI. vom 14. März 1937 "Mit brennender Sorge". Dieses Rundschreiben, das mit der nationalsozialistischen Ideologie scharf ins Gericht ging, konnte aus Sicht der braunen Machthaber nicht geduldet werden. In einem Erlass des Reichsministeriums für kirchliche Angelegenheiten vom 23. März 1937 wurde daher "den Bischöfen und sonstigen Ordinarien [...] Druck, Vervielfältigung und Vertreibung des Rundschreibens in jeder Form verboten". Bereits am 21. März 1937 war die Enzyklika vom 14. März 1937 jedoch in allen katholischen Kirchengemeinden Deutschlands, also sicher auch in Flötenstein, verlesen worden, wo der bereits schwer kranke Franz Spors weiterhin Pfarrer war. Die Nationalsozialisten verschärften nun ihren Druck auf die katholische Kirche in Deutschland und Reichspropagandaminister Goebbels drohte mit grimmiger Entschlossenheit den "Pfaffen [...] unsere Strenge, Härte und Unerbittlichkeit" an. Besonders beliebt waren jetzt Sittlichkeitsprozesse gegen Geistliche. Diese Prozesse, die von der Presse entsprechend ausgeschlachtet wurden, führten zu "einem beispiellosen Verleumdungsfeldzug und zu masiven Eingriffen in die kirchlichen Wirkungsmöglichkeiten". Trotz der schwierigen Zeiten - bereits 1934 war der Flötensteiner Vikar Karl Austermann "wegen politischer Äußerungen und Jugendarbeit" von den Nazis mit der "Ausweisung aus dem Kreis Schlochau" bestraft worden - und trotz der zunehmenden Anfeindungen blieb Pfarrer Franz Spors bei der Bevölkerung in Flötenstein weiterhin stets hoch geachtet und - wegen seiner persönlichen Integrität - auch unantastbar. Dies bestätigt ein Nachruf des Kirchenvorstandes der katholischen Kirchengemeinde Flötenstein vom 9. Mai 1937, wo es u. a. heißt: "Immer war er seinen Pfarrkindern ein guter Hirt und ein Vorbild in seiner Lebensführung. Mit Klugheit und Umsicht hat er die Verwaltung der Pfarrei geführt, stets darauf bedacht, die Pfarrei zu fördern. Noch im vorigen Jahr hat er zu unserer Freude das Innere unserer Kirche würdig erneuern lassen. Als dauerndes Andenken an seine Opferwilligkeit steht das Caritashaus in unserer Gemeinde." Den Bau dieses Caritasheimes in Flötenstein hatte Pfarrer Franz Spors aus eigenen Mitteln nachhaltig gefördert und hierdurch erst ermöglicht. Die Begräbnisfeierlichkeiten anlässlich seiner Beerdigung fanden am 12. Mai 1937 in Flötenstein unter starker Beteiligung der Bevölkerung und in Anwesenheit von Prälat Dr. Hartz von der Freien Prälatur Schneidemühl statt. Fast alle Geistlichen des östlichen Prälaturbezirkes waren erschienen, was bei der damals bestehenden politischen Lage als ein Zeichen der Wertschätzung für den Verstorbenen, sicher aber auch als ein Zeichen der Geschlossenheit zu verstehen war. In den Nachrufen wurde immer wieder betont, dass Pfarrer Franz Spors ein gütiger Seelsorger und ein guter Hirte der ihm anvertrauten Pfarrkinder gewesen ist, der in der Stille Vorbildliches gewirkt hat. Das Grab von Pfarrer Franz Spors - und dasjenige seines Vorgängers Otto Gronau - konnte den Krieg und die Nachkriegszeit einigermaßen heil überstehen. Die Grabeinfassung blieb jedenfalls erhalten, und eine Bewohnerin von Flötenstein, die 1945 nicht vertrieben wurde, hat zusammen mit ihrem Enkel dafür gesorgt, dass diese Gräber dem Vergessen entrissen wurden. Ich habe im Mai 2004 auf beiden Gräbern eine einfache Gedenktafel anbringen lassen und zwischenzeitlich wurde dort auch eine Bank aufgestellt, die zu Besinnung und Gedächtnis einlädt. "Requiescat in pace - er möge ruhen in Frieden." ^nach oben ^ |
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