Biblioteka Koczalska - Floetensteiner Bibliothek

www.koczala.hiazintus.com 


Texte

Arthur Semrau

Engsee

Engsee (Ende Sehe, Ende See, Endsee, Ostrow), Köllmer-Gut, Rittergut, besteht erst seit Ende des 16. Jahrhunderts. Die erste Kunde über dasselbe giebt ein Brief des Königs Stephan an Stanislaus Latalski (Liatalski), Hauptmann von Inowrazlaw und Schlochau, aus Grodno am 23. Dezember 1580. Ein Diener des Hauptmanns, Namens Jakob Konefka, hatte dem Könige im Auftrage des Hauptmanns zwei Jagdhunde überbracht, von denen dieser sich den ihm für den besseren und schöneren scheinenden ausgewählt hatte. Ein junger noch nicht abgerichteter Hund wäre ihm lieber gewesen - ein solcher war ihm schon früher von p. Latalski geschenkt worden und hatte seine größte Zufriedenheit erregt -; der Hauptmann möchte ihm doch einen einjährigen oder auch noch etwas jüngeren Hund, womöglich von derselben Abstammung und Art, von der der erste gewesen, übersenden. Was die Geneigtheit des Hauptmanns beträfe, dem Ueberbringer etliche Liegenschaften in der Schlochauer Hauptmannschaft aufzulassen, so werde er nach erfolgter Beleihung seitens des Hauptmanns derselben die Bestätigung ertheilen.

Die Beleihung erfolgte auf dem königlichen Hause zu Schlochau am 20. April 1581. Jakob Konefka, kgl. Unterthan zu Starsen, erhielt um seiner treuen, dem königlichen Hause Schlochau etliche Jahre geleisteten Dienste, dann auch insonderheit wegen Bewachung der poln.-preußischen Grenze gegen Pommern eine Hufe Ackers, ein Werderchen, welches am Rande des Sees von Starsen liegt, Wiesen auf dem rechten Ufer der Brahe bis an die Damerowische Brücke und die Gerechtigkeit in dem erwähnten See mit einer Klippe ihm und seinen Erben verliehen "quitt und frei, ohne einigerlei dienst, pflicht und bürden"; zum Schluß wurde aber die Erwartung ausgesprochen, daß p. Konefka nunmehr um so fleißigere und treuere Wacht an der Landesgrenze halten werde.

Diese Verleihung zu kulmischem Rechte ward von dem nachfolgenden Könige Sigmund III. zu Warschau am 24. April 1599 bestätigt, wie aus einer späteren Urkunde (von 1768) hervorgeht.

Das Gut gelangte im 17. Jahrhunderte "per viam avialem" also durch Heirath eines von Rekowski mit einer Konefka in die Hände der Familie von Rekowski. Diese aus dem Lande Bütow, wo ihr Heimathsort Rekow liegt, stammende Familie unterschied und unterscheidet sich in die v. Gynz-R., v. Styp-R., v. Wotoch-R. und von Wrycz-R. Die im Schlochauschen und Konitzschen sich findenden gehören meist zu den von Wotoch-R. Auch die R. auf Engsee waren von Wotoch-Rekowskis. - Im J. 1708 übernahm Engsee als freies Allod in der mit seinem Bruder Paul gehaltenen Erbtheilung laut gerichtlichem Rezeß vom 19. Juli Jakob von Rekowski für 1800 fl. Nach seinem Tode erbte es sein Sohn Kasimir von Rekowski (getauft am 23. Februar 1713). - Er erbat sich durch gewisse kgl. Räthe eine Bestätigung seines Besitzes, welche ihm König Stanislaus August durch Urkunde zu Warschau am 18. April 1768 zu Theil werden ließ. Wesentlich neu ist in derselben nur die Erwähnung des Rechtes in den Waldungen der Schlochauer Hauptmannschaft Holz zu fällen, soviel er für seinen Herd und zu Bauten auf seinem Gute bedürfe.

Nach der Besitzergreifung Westpreußen durch Friedrich II. wurde auch Engsee amtlich untersucht und aufgenommen. Man fand 1773 daselbst 13 Seelen (den Besitzer und seine Frau und 1 Tochter unter 12 J., den Verwalter Christian Regus und seine Frau und 1 männl. und 1 weibl. Gesinde, sowie 1 Einlieger oder Instmann G. Raschke nebst Frau, sowie 3 Söhnen über und 1 Tochter unter 12 J.). Der Viehstand betrug außer 3 Schafen des Einliegers 2 Pferde, 4 Ochsen, 2 Kühe, 30 Schafe, 4 Schweine. Die Aussaat bestand in 60 Schffl. Korn, 2 Gerste, 5 Hafer, 1 Erbsen, 23 Buchweizen (10 Schffl. K. = 20 Schffl. Berliner Maß). Es ward bemerkt, daß Lein nicht gesäet, Heu nicht gebaut werde. Betreffs Abgaben wird angegeben, daß an polnischem Schoß 1 fl. 6 gr. entrichtet worden, das Schutzgeld für den Pächter betrug 60 gr., für den Instmann 30 gr. Herr von Rekowski wird wegen seiner adeligen 1 H. 15 M. mit 7 Rthl. 56 Gr. jährlicher Kontribution verzeichnet. Ins Grundbuch wurde eingetragen: Rittergut Endesee Nr. 46 (in jenen Aufnahmen heißt es auch die adelige Pustkowie Engensee oder Ostrowy des Amtes Hammerstein, Schlochauschen Distrikts, auch Engsee oder Ostrow zum ehemaligen Schöneckschen Gro gehörig); dazu gehört das Vorwerk, wobei an Grund und Boden befindlich 1 H. 15 M. Land mit einigen Wiesen, das herrschaftliche Wohnhaus nebst dazu gehörigen Wirthschaftsgebäuden, 3 Küchengärten, 1 Kathe - sowie dieses Alles in der Erbverschreibung von 1581, dem Extrakt des Protokolls der Klassifikations-Kommission vom 27. März 1773, der gerichtlichen Taxe vom 30. Mai 1774 und dem Vernehmungs Protokolle vom 6. Januar 1777 beschrieben ist. Die Privilegien und Gerechtsame bestehen in hohen und niederen Gerichten, Jagdgerechtigkeit, Fischereiger., Brau- und Brennereiger., die Holzungsger. in Ansehung des benöthigten Bau- und Brennholzes in den benachbarten Waldungen. - Zur Feststellung, ob außer Kasimir von Rekowski noch andere Ansprüche auf Engsee hätten, wurde eine Aufforderung zur Meldung erlassen, ihm aber, da sich Niemand meldete, durch Ediktal-Präklusions-Sentenz das alleinige freie Eigenthum zuerkannt. - Durch die vom Landvoigtei-Gericht aufgenommene Taxe vom 30. August 1774 nach dem Ertrag á 5% gerechnet, war das Gut auf 1626 Rthl. 60 Gr. gewürdigt worden. - Unter den eingetragenen Schulden ist die Summe (von 1000 Rthl., bezw. 1200 Rthl.) vermerkt, welche Kasimir von Rekowski der Westpreuß. Kriegs- und Domänenkammer für den Domänenbeamten (nachherigen Amtmann) Christian Jakob Schmidt für Trin. 73-74, später für dessen Wittwe, Konstanze Elisabet Schmidt geb. von Rekowska (Tochter von Kasimir v. R.?) wegen Pachtung des kgl. Domänenamts Hammersteins als Kaution bestellt hatte. Die Summe (von 1200 Rthl.) blieb laut gerichtl. Erklärung Kasimirs v. R. vom 30. Juli 1780 der pp. Kammer auch wegen der dem Beamten Jakob Bernhard Gervais cedirten Pachtung des Dom.-Amts Hammerstein von 1779-82 (und abermals von 1783-85) haften.

Kasimir von Rekowski [gest. den 23. Okt. 178...] mit Hinterlassung einer Wittwe, Marianne geb. v. Kiedrowska und 4 Töchtern. Eine von ihnen, Dorothea, verh. mit dem Wirtschaftsschreiber Jakob Arendt auf Engsee, bewirtschaftete nunmehr das Gut, bis der Tod der Mutter (gest. den 2. April 1794) den Beschluß der Töchter zu verkaufen herbeiführte. Der erste Kaufvertrag wurde bereits am 17. April 1795 mit dem Fabrikinspektor Michael Forckel abgeschlossen. Zweierlei Schwierigkeiten, die Erblegitimation - eine der Erben des Kasimir v. Rek., die minorenne Johanna Karoline Henriette Grayczewska, konnte nicht aufgefunden werden - und die Beschaffung der kgl. Genehmigung für den Verkauf des adeligen Guts an einen Bürgerlichen hielten die Berichtigung des Besitztitels für M. Forckel bis z. J. 1805 hin.

Die im J. 1773 nur 1 H. 15 M. kulm. oder 98 M. 135 R. preuß. betragene Feldmark Engsees wurde in der Folgezeit durch Zukauf von Starsener Aecker bedeutend vermehrt. Der Grundsteuer-Kataster von 1842 gab sie auf über 1867 M. nach der Vermessung von 1840 an; von ihnen gingen auf Hof- und Baustelle 1 M. 108 R., Aecker und Gärten 1735 M. 9 R. (wovon 13 M. 141 R. Gartenland), Wiesen und Hütung 77 M. 104 R., Heide 38 M. 87 R., Wege, Teiche, Unland 34 M. 65 R. Unter den Ackerländereien sind 865 M. 174 R. aus dem zugekauften Schulzenhofe von Starsen, so wie eine abgesonderte ungefähr 20 M. große, im kgl. Forstbelauf Wüsthof belegene Wiese, welche der Besitzer Friedrich von Brietzke als Eigenthümer des gen. Schulzenhofes nach dem Separationsplan vom 12. Sept. 1840 zugetheilt erhalten hatte. Außer der alten Hufen-Kontribution von ... Rthl. 18 Sgr. 8 Pf. mußte von Brietzke wegen der Schulzenhof-Ländereien 10 Rthl. 16 Sgr. 7 Pf. Kontribution an die Baldenburger Kasse zahlen. - Im J. 1867 wurde die Fischereigerechtigkeit in dem zum Gute Schwessin, Kr. Rummelsburg, gehörigen Döpensee von Gut Engsee abgelöst, wofür dieses durch einen Landzugang von über 5 Morgen, welche bisher von Schwessin genutzt worden waren, entschädigt wurde.

In der ersten Hälfte dieses Jahrzehnts wechselten die Besitzer schnell. 1882/5 waren ihrer 7: von Wilhelm Bedau kam es an Otto Haacke, von diesem an Friedrich Wilhelm Metz, von diesem an den Fabrikbesitzer Friedrich Wilhelm Röseler in Berlin (durch Subhastationszuschlag vom 9. Jan. 1883), von diesem durch Tauschvertrag vom 14. Dez. 1883 an Emmy Miehe [...]; von ihr kaufte es laut notar. Vertrag vom 12. Dez. 1884 Kaufmann Moritz Sorsky in Berlin, von diesem ging es durch Tauschvertrag vom 4. April 1885 in den Besitz der Freifrau Bertha von Bosse geb. Schlittgen-Haase in Gr. Lichterfelde. Nach den neuesten Kataster-Angaben beträgt der Grundsteuerreinertrag 84,45 Rthl., die Grundsteuer 24 Mk. 25 Pf. (für einschl. Wege und öffentl. Gewässer 180 Hektar 10 Ar 40 M.), Gebäudesteuer 18 Mk. 40 Pf. (5 steuerpflichtige Gebäude, 9 steuerfreie - zu landwirtsch. Zwecken dienende - Gebäude). [...]

^nach oben ^

Inhalt

Startseite

Bücher

Texte

Alte Bilder

Urkunden

Links

Kontakt

Werbung


Copyright (c) 2007 - Jacek Bublewicz, www.hiazintus.com
All Rights Reserved
Webmaster: Jacek Bublewicz -
koczala@hiazintus.com